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10 Fragen, mit der du eine fade Unternehmensgeschichte vermeidest

Bist du auch auf der Suche nach deiner Geschichte, um den Unterschied zu machen? Das ist oft so schwierig wie eine Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Es ist so viel passiert, aber welche Ereignisse dienen uns wirklich, um daraus eine Geschichte zu weben? Die unsere Kunden nicht wie die üblichen faden Firmengeschichten langweilt, sondern verzaubert? Ich freue mich, mit dir ein methodisches Vorgehen anhand von 10 Schlüssel-Fragen zu teilen - und einen besonderen Tipp. 

 

Es ist nicht so, dass ich jemals eine Stecknadel im Heuhaufen suchen würde – die Redewendung steht für «etwas ohne oder nur mit geringen Erfolgsaussichten suchen». Das beschreibt wohl das frustrierende Gefühl, wenn wir meinen, es gäbe in unserem Leben nichts Spezielles oder gar Dramatisches, das passiert ist und andere Menschen interessieren könnte. So sinnen und sinnen wir und es kommt uns gar nichts in den Sinn, geschweige denn eine Geschichte, die wir mit unseren Kunden teilen wollen.

 

Warum überhaupt eine Geschichte?

 

Ein kurzer Einschub. Warum nochmals sollten wir überhaupt motiviert sein, unsere Geschichte zu erzählen? Kurze Antwort: Weil der Markt hart ist und wir im Überfluss leben. Nicht nur an Produkten und Dienstleistungen, sondern auch an Informationen. 

Lange Antwort: Klassische teure Imagefilme oder «Über-uns-Informationen», die lobpreisend beschreiben, was wir Großartiges tun und gemacht haben – können uns Menschen kaum noch für uns gewinnen. Deshalb ist Storytelling die Zukunft von PR und Marketing. 

 

Mit Hilfe einer spannenden, nützlichen und authentischen Geschichte jedoch können wir unsere Zuhörer fesseln und verzaubern. Verzaubern tun wir sie, wenn wir ihre intuitiv grössten Fragen beantworten:

 

  • Wer steht hinter dem Angebot, dem Produkt, der Dienstleistung?
  • Welche meiner Grundbedürfnisse erfüllt er oder sie?
  • Wie und mit welchen Werten arbeitet die Firma?
  • Was ist ihre Motivation, ihr Antrieb? Warum bietet sie diese Produkte an?

 Die Antworten darauf vermitteln und verankern wir am glaubwürdigsten mit einer wahren Geschichte. Ist sie emotional, bleibt sie nicht nur im Gedächtnis hängen, sondern sie macht unser Angebot persönlich. Das letzte, aber nicht minder wichtige Argument aus Unternehmer-Perspektive: Eine Geschichte macht uns einzigartig und differenziert uns damit von den Mitbewerbern.

 

Stoff sammeln und...

 

Wie also gehen wir nun vor, um unsere zentrale Geschichte zu finden? Das Wichtigste: Wir müssen erst einmal Stoff sammeln. Dabei tun wir gut daran, ein bisschen methodisch vorzugehen und uns Schritt für Schritt von klaren Fragen leiten zu lassen. Dabei sollten wir offen sein und bei den Antworten nicht gleich davon ausgehen, dass das jetzt unsere Geschichte ist. Es geht darum, möglichst viele Ereignisse wie Fäden zu sammeln und daraus die besten zu wählen, mit der wir unsere zentrale Geschichte weben können.

 

Am besten sammelst du nicht allein für dich, sondern mit einer vertrauenswürdigen Person, die sich für dich und dein Unternehmen interessiert, die dir diese Fragen stellt und sich nicht scheut, nachzuhaken. Dadurch kommst du aus dem schweigenden «Herumhirnen» nach deiner Story automatisch in einen erzählenden Modus. Dein Geschichtenpartner sollte dabei von «aussen» kommen, also nicht in deinem Betrieb mitarbeiten. Warum? Weil er oder sie die Sichtweise von Menschen einnimmt, die deine Geschichte hören wollen. Weil sie nicht «betriebsblind» ist und neugierige Fragen stellt, auf die du vielleicht nie gekommen wärst. Du wirst sehen, dass du dank eines Partners viel mehr Stoff findest, als du jemals geahnt hättest.

 

Weiter unten, nach der Liste der Fragen, komme ich darauf zu sprechen, worauf unser Gesprächspartner grundsätzlich achten muss, um möglichst alles aus einem Ereignis herauszuholen. 

Die Liste der 10 Schlüssel-Fragen

 

Beim Geschichten-Sammeln solltest du dich so wohl fühlen, dass du ohne Umschweife in den Plauderton kommst. Suche dir dazu einen Raum mit guter Atmosphäre, lade vielleicht noch ein oder zwei Mitarbeitende ein, die dich beim Erzählen unterstützen, halte das Sprachmemo-App bereit – und los geht’s!

 

Starten wir mit der ersten der zehn Schlüssel-Fragen. Eine Frage, die beim Aufwärmen hilft.

 

1. Was ist einmal passiert – etwas Witziges oder gar Dramatisches? Wie hast du reagiert? Wer war noch dabei?

Sammle ohne Bewertung einfach mal einige Vorkommnisse, die dir in den Sinn kommen. Versuche bei der Beschreibung, möglichst konkret zu werden. Was geschah sonst noch an diesem Tag - privat oder in der grossen Welt? Wie war das Wetter? Wie war deine Stimmung?

 

2. Was war dein Gründungsgedanke?

Hier folgt die berühmte Gründergeschichte. Hast du Fotos aus dem Archiv oder andere Dokumentationen, die dir beim Erzählen helfen? Wie hat dein Umfeld, noch besser: Deine Konkurrenz auf die Gründung reagiert? Warum hast du die Firma gegründet?

 

3. Erinnerst du dich an einen speziellen Moment mit einer Kundin, einem Kunden?

Ist dir ein spezieller Kundenwunsch in Erinnerung geblieben? Eine aussergewöhnliche Reaktion eines Kunden, als er/sie das Produkt/die Dienstleistung von Ihnen erhielt? Hat ein Kunde sogar geholfen, etwas zu verbessern?

Kundengeschichten sind oft die besten Geschichten. Damit zeigen wir unsere Kundenorientierung an einem Beispiel und dass wir nicht «08-15», nicht stereotyp sind in unserem täglichen Verhalten. Im Gegenteil: Wir beweisen, dass wir den Menschen wirklich helfen wollen, ein Problem zu lösen.

 

4. Haben Mitarbeitende einmal eine spezielle Rolle gespielt?

Vergessen wir bei unseren Geschichten nicht jene, die uns bei der Arbeit am nächsten sind. Welche erfolgreiche Geschichte gibt es, die es ohne ein aussergewöhnliches Team oder einzelne Mitarbeitende nicht gäbe? Die folgenden Fragen helfen zusätzlich bei der Antwort.

 

5. Wie produzieren / handeln wir im Detail?

Gibt es Begebenheiten aus dem Verkauf, aus der Produktion, dem Einkauf, hinter denen sich Menschen und ihre Geschichten verbergen? Wir öffnen damit unseren Blickwinkel nicht nur für das Produkt an sich, sondern für seinen Entstehungsweg, die Wertschöpfungskette. Dafür interessieren sich die Menschen: Was uns wichtig ist, welche Lieferanten wir bevorzugen, warum wir so oder so entscheiden.

 

6. Welche Geschichte wird im Unternehmen von unseren Mitarbeitenden immer und immer wieder erzählt?

Wenn etwas nicht vergessen geht, muss das Ereignis sehr emotional gewesen sein. Möglicherweise kommen Sie selbst in dieser Geschichte vor. Ob du diese am Ende verwendest oder nicht: Sie wird auf jeden Fall eine spezielle Gefühls-Note haben. Unter Umständen hilft sie, Werte zu erkennen, zu schärfen oder neu zu formulieren.

 

7. Gibt es etwas, auf das du echt stolz bist?

Das unternehmerische Highlight. Wer war dabei? Wer hat mitgeholfen? Was waren die Hindernisse? Ein grosser Fundus wartet darauf, erzählt zu werden. Halte dich nicht bescheiden zurück! Hinter jedem Erfolg liegt ein Krampf. Mit welchen inneren Konflikten und Problemen hast du gerungen? Zu welcher Erkenntnis bist du gekommen? Licht und Schatten machen eine Geschichte spannend.

 

8. Welches sind deine Firmen-Werte?

Wie lebst du deine Werte, die du im Leitbild festgelegt hast? Wer bist du, was ist dir wichtig? Kannst du das an einem Beispiel erzählen, als es einmal kritisch wurde? Welche Werte sind dir weniger wichtig? Warum? Auf welchen Wert kannst du unter keinen Umständen verzichten?

 

9. Welche Geschichte würdest du einem kleinen Kind von dir erzählen?

Diese Frage führt zu einem Perspektiven-Wechsel. Dadurch kommen wir auf ganz neue Gedanken und Ideen. Das kleine Kind lässt sich auch mit Ihrer Grossmutter oder einem Freund aus der Schulzeit ersetzen.

 

10. Gibt es einen zentralen Moment im Leben, wo du dachtest, nichts wird mehr sein wie vorher – der dein Leben verändert hat?

Lebensverändernde Geschichten bewegen. Wenn wir daraus noch Erkenntnisse ableiten –«das mache ich nie mehr» - «Seither weiss ich genau…» können wir eine grossartige Botschaft setzen. Das macht dein Verhalten, deine Ausrichtung auf neue Werte, auf dein Warum glaubwürdig.

 

Hartnäckig nachfragen

 

Wie stellen wir es nun an, damit wir zum Kern kommen und unsere Geschichte farbig und facettenreich wird? Unser Geschichten-Partner sollte nach den ersten Antworten auf die Schlüsselfragen hartnäckig, aber liebevoll, stets nachfragen: 

 

  • «Wie hast du dich dabei gefühlt?» Erst durch Emotionen wird unsere Geschichte menschlich.
  • «Wer hat dir dabei geholfen?» So wird der Held - in der Regel Sie als Geschäftsinhaber oder als Team - sympathisch.
  • «Warum hast du dieses Ereignis gewählt?» Hier geht es darum, die Bedeutung hinter den Fakten zu erkennen. 

Im Leben geht es auf und ab. Vor dem Erfolg gab es Kämpfe und Krisen. Wer darauf in seiner Geschichte verzichtet, fällt schnell in das Muster der langweiligen und faden Schönwetter-«Bullshit-Firmen-Storys» zurück. Davon haben wir bereits genug.

 

Das sind die zehn wesentlichen Fragen, die uns helfen, den Stoff für unsere zentrale Geschichte zu sammeln. Die Kunst besteht dann darin, aus diesen verschiedenen Fäden den roten Faden zu finden und daraus eine Botschaft zu weben, die deinen Kunden und damit deinem Unternehmen dient. Weil wir hier nicht nur von emotionalen, sondern auch von magischen Geschichten sprechen, sollte die Botschaft zum guten Leben der Menschen beitragen. Unten habe ich einen Link zu einem entsprechenden Blog eingefügt. 

 

Fazit für alle, die sich differenzieren, das Herz der Menschen ansprechen wollen: Wahre Geschichten machen unser Angebot menschlich und aufrichtig. Dazu müssen wir methodisch im Heuhaufen wühlen. Hole dir eine vertrauenswürdige Person an die Seite, die dir hilft, die Geschichte tiefgründig zu machen. Fasse Mut, erzähle persönlich und echt, mit menschlichen Schwächen. So fühlen die Menschen mit und feiern mit dir deine Erfolgsgeschichte. Am Ende ist es nicht die Stecknadel aus dem Heuhaufen, sondern eine Perle, die du gefunden hast und nun mit deinen Kunden teilen kannst: Deine magische Geschichte.  

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