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Wie ein Ramschketteli zu goldenen Zeiten führte

Ich bin einfach ein Goldschmied… mmh. Was soll ich da bloss für eine wichtige Geschichte erzählen? Da gibt es nichts Spektakuläres. Ausser vielleicht, dass ich auch mal aus Asche von jemand Verstorbenem einen Saphir oder Diamanten anfertige.

 

Träumen von goldenen Zeiten

Ich arbeite am liebsten an meiner Werkbank und vertiefe mich in die harmonischen Formen, die da entstehen. Manchmal träume ich dabei auch von anderen, früheren, goldenen Zeiten, noch besser von der damaligen Musik. Am liebsten von der Musik der 50er Jahre: Rock ‘n’ Roll! Ich spiele Bassgitarre in zwei Bands. Die 60er Jahre sind auch gut, aber die 50er - dafür habe ich eine Schwäche. Auch der Schmuck, den die Frauen damals trugen, fasziniert mich!

 

Bis vor einigen Jahren trennte ich mein Hobby klar von meinem Beruf, als ich einen merkwürdigen Kundenauftrag erhielt. Ich bin Goldschmied wegen meiner Liebe zum schönen Schmuck, zum traditionellen Handwerk. Die Kundinnen und Kunden vertrauen mir ihren Goldschmuck an, den sie mit einem lieben Menschen verbinden. Ich schmelze ihn ein und lasse daraus ein Kunstwerk nach ihren Wünschen entstehen. So freute sich jüngst eine Frau über ihren Verlobungsring aus dem Erbe ihres Grossmamis.

 

Goldschmied-Kollegen von mir staunen. Sie finden, das sei viel zu aufwändig. Es gibt ja schliesslich den 3D-Drucker. Das mache ich nicht. Ich stehe für Handwerk und Ökogold.

 

Kampf mit dem inneren Konflikt

Leider kann ich das nicht immer ausleben. Also da kam einmal ein Kunde mit einem Ramschketteli zum Flicken, da wäre ich lieber nicht da gewesen, weil ich damit nur Aufwand habe. Es war das Ketteli seiner Freundin.

Viel lieber, schoss mir durch den Kopf, hätte ich ihm einen Verlobungsring verkauft, gerade so einen nach Art der 50er Jahre. Die Frauen aus dieser Zeit liebten die filigranen Gravuren aus Ornamenten und Blumen, und offenbar ist das auch heute wieder gefragt: Immer mehr wünschen sich Schmuck im «Vintage-Stil».

 

Wie sollte ich mich nun bloss bei diesem Kunden verhalten?

Ja – Ramschketteli flicken.

Nein – Die Liebe zum Schmuck der Frauen aus den 50er Jahren

ausleben. 

Ja.

Nein – ok – seine Freundin! Sie wollte ich nicht enttäuschen.

 

Ein paar Wochen später sagte er mir, ich sei der einzige gewesen, der bereit gewesen sei, dass Ketteli zu reparieren. Und er bestellte bei mir einen Verlobungsring. Dann einen Ehering. Dann… Sie ahnen es schon: Ein Baby-Ketteli. Es geht weiter: Ein Weihnachts-Geschenk für seine Frau. Ein Geburtstags-Geschenk für seine Gottenkinder.

 

Dank dem Ramschketteli gewann ich einen guten Kunden. Und ich habe mein Hobby mit meinem Beruf verschmolzen: Ich lasse die Zeiten der goldenen 50er Jahre in meinen Trauringen, Ohrringen, Armbänder, Anhänger oder Ketten einfliessen.

 

Seither bin ich der Vintage-Goldschmied.

 

Warum bin ich Goldschmied?

Weil ich daran glaube, dass schöne Zeiten sich verewigen lassen.

 

Damit wir sie immer bei uns tragen können.

 

15 Jahre goldgruber – ich sage Danke.

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